Go tell it on the mountain…wenn du dazu noch den Atem hast (Teil 1)

Lombok, die kleine Schwester Balis.
Wundervolle Strände, nette Leute und ihn: den Vulkan Mount Rinjani.

Schon von Deutschland aus hatten wir die Tour 3 Tage, 2 Nächte zum Gipfel gebucht. (Hier empfehle ich Rudy Trekker: toll organisiert und vor allem nachhaltig!L_Lombok_Rinjani (4) Heißt, der Müll der fabriziert wird, wird auch wieder mit runter genommen und nicht wie bei vielen anderen einfach liegen gelassen.)

Einen Tag bevor wir aufbrechen, werden wir abgeholt und verbringen eine Nacht in Senaru. Abends werden wir noch gebrieft, die Route mit uns durchgegangen und Fragen geklärt.
Bereits da beschleicht mich nicht zum ersten Mal ein ungutes Gefühl: hatte ich doch schon die 511 Stufen (wobei sie typisch asiatisch zwischen einer Höhe von 20cm und einem halben Meter geschwankt haben) vom Wasserfall auf Bali wieder rauf nur mit Mühe und Not geschafft. Dominik beruhigt mich: Stufen seien ja auch viel anstrengender…wir waren Unwissende!

Morgens um halb 6 stehen wir auf, nehmen ein kleines Frühstück zu uns und lernen unseren Guide „I“ kennen. Ein kleiner Indonesier, dessen Rucksack fast so groß ist wie er selbst. Wir tragen nur unsere Daypacks mit, die großen Rucksäcke werden dort eingelagert.

 

Nach einer Stunde Fahrt nach Sembulan geht es gegen 8 Uhr auf 1050m los. Es ist unfassbar warm und es geht kaum Wind. Unser Guide erklärt, dass wir die ersten 2 Stunden durch Savanne laufen. Bereits nach einer halben Stunde merke ich, wie mein Atem langsam schwerer geht. Aber gut: das ist die Quittung für das wieder mal fantastisch geplante Sportprogramm, was präzise und genauestens ausgearbeitet in einer Exceltabelle auf meinem PC zu Hause vor sich hinschlummert und nach dem Erstellen nie wieder das Licht der Welt gesehen hat.

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Unsere erste große Pause machen wir gegen 10 Uhr. Wir wundern uns, denn es ist ja noch früh. Zwischenzeitlich haben wir immer kleine Pausen gemacht, um unseren Wasserspeicher aufzufüllen und die ein oder andere fast zu süße indonesische Süßigkeit (und das aus meinem Munde) zu uns zu nehmen.
Hier treffen wir auch viele andere Gruppen und sehen das erste Mal unsere Porter: Diese Männer leisten Unglaubliches: sie tragen in 2 an einem Bambusrohr befestigten Körben alles hoch, was wir in den nächsten Tagen brauchen: Lebensmittel, Getränke, Zelte, Schlafsäcke… ca. 40kg hat jeder von ihnen auf der Schulter. Feste Schuhe? Fehlanzeige. FlipFlops oder barfuß geht es hoch.
Was uns hier als Mittagessen aufgetischt wird ist besser, als das was wir in einigen Warungs oder Restaurants gegessen haben.
Die Pause dauert ca. 1,5 Stunden, wir werden langsam unruhig: wir wollen weiter, den Berg bezwingen. Am heutigen Tag ist das Ziel 2500m mit einem Ausblick auf den gigantischen Kratersee.
Nur kurz zur Erinnerung: 1500 HÖHENmeter an einem Tag.

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Falls jemand nur den kleinsten Gedanken hatte: ach so schlimm ist das ja gar nicht, wie alle bei TripAdvisor schreiben…nach der Pause wird er (okay gut: ich) eines besseren belehrt, denn jetzt geht es erst richtig los. Langsam verstehe ich, warum man uns zu Beginn mit Wanderstöcken ausgestattet hat (und ja, ich gebe es zu: Ich dachte mir, wozu wir die denn bitte brauchen? Sind ja total uncool! Lieber Wanderstock: du warst der, der mir Halt geboten hat, auf den ich mich verlassen und abstützen konnte! Du warst alles, nur nicht uncool.)

Es geht los…und es wird dreckig. Richtig dreckig! Nicht nur der Staub, auch die Gedanken („Warum hab ich mir das angetan?“ „Wer hatte eigentlich diese Idee?“) Die nächsten 3 Stunden sind die härtesten meines Lebens.
Es ist so unfassbar anstrengend, dass ich nicht mal Luft zum meckern habe (und DAS soll bei mir schon was heißen, bin ich doch preisgekrönter Dauermeckerer). Über Stock, Stein und Wurzeln geht es bergauf. Durch die Wolken, immer weiter. Die Staubmaske vor dem Gesicht immer weiter…
„I, how far?“ frage ich unseren Guide.
„Well, not sooo far!“
Ich glaube ihm irgendwie nicht…Es geht immer weiter, Wurzel über Wurzel, Stein über Stein…

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Und dann…spüre ich den ersten Sonnenstrahl auf meinem verdreckten Gesicht. Es kann nicht mehr weit sein.
„I, how long till the lake?“
„Not so far, 20 minutes“
Okay er hatte öfter schonmal gesagt, dass es not so far ist, aber 20 Minuten…damit kann ich arbeiten.
Und dann ist es geschafft: vorbei an den Zelten bereits vorher angekommener Vulkanbezwinger finden wir einen Platz, der unser Nachtlager werden soll. Das Gefühl: DER WAHNSINN! Der Ausblick…momentchen mal: wo ist der Kratersee? Liegt unter den Wolken. Aber am nächsten Morgen werden wir ihn sehen, denn morgens ist es klar.
Unsere Porter kommen an, bauen Zelte und Toilettenzelt auf (wirklich super: ein viereckiges Zelt mit Loch im Boden und exzellenter Belüftung, weil oben offen) und kochen uns ein tolles Essen. Verschwindet die Sonne hinter den Wolken merken wir, wie hoch wir sind: ganz schön frisch in 2500m Höhe.

17.15: der Countdown für den Sonnenuntergang läuft. Und was uns dann von der Natur geboten wird, ist einfach gigantisch:

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Bereits um 19 Uhr ziehen wir alles an, was wir haben und verkrümeln uns in unser Zelt in die Schlafsäcke, denn um 2:30 geht es weiter: Der Gipfel ruft!

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2 Gedanken zu “Go tell it on the mountain…wenn du dazu noch den Atem hast (Teil 1)

  1. Pingback: Unterkünfte | Wild Birds Diary

  2. Pingback: 15 Dinge, die man auf Lombok sehen sollte | Home is where your Bag is - Travel Blog

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