Go tell it on the mountain…wenn du dazu noch den Atem hast (Teil 2)

2:30: Habe ich überhaupt geschlafen? Ich weiß es nicht.
Es ist dunkel und kalt. Ein „leichtes“ Frühstück erwartet uns: 2 Scheiben Toast mit Butter und Spiegelei.
Der Koch scheint verliebt zu sein, ziemlich salzig das Ganze. L_Lombok_Rinjani (95)

Um ca. 3 Uhr geht es los. Stirnlampen aufgesetzt, Wanderstock in die Hand genommen und ab geht’s…äähh…auf geht’s.

Der Sternenhimmel ist einfach grandios, wir sehen die Milchstraße und tausende von anderen Sternen. Auch das Bild, das sich vor uns erstreckt lässt einen kurz innehalten: andere Gruppen sind bereits früher losgegangen und all die kleinen Stirnlämpchen schlängeln sich den Weg hinauf.
Ein tolles Bild…nur leider sieht man auch, wo man hin muss.

Im Dunkeln geht es los!

Im Dunkeln geht es los!

Bereits nach einer halben Stunde krieg ich den ersten mentalen Heulkrampf (okay, er war nicht nur mental, sondern auch real). Wir laufen nur über Schotter, sinken bis zu den Knöcheln ein, sehen kaum was und der Weg ist noch weit. Unser Guide fragt uns, ob wir umkehren sollen.
Hm…naja…ne! Umkehren find ich jetzt auch doof. Also geht’s weiter. Ganz hinten am Horizont ist bereits der erste rote Sonnenstrahl zu sehen.
Mit Sonnenaufgang auf dem Gipfel wird das wohl nichts.
Ich friere und schwitze zugleich: Innentemperatur der Jacke: ca. 40 Grad, Außentemperatur: ca. 3 Grad.

Nach 2 1/2 Stunden bin ich fix und fertig.
„How far?“ frage ich wieder einmal unseren Guide (ich komme mir mittlerweile vor wie der Esel aus Shrek 2 „Wie lange dauert es noch?“ „Wann sind wir endlich da?“)
Leider sagt er diesmal nicht das heißerwartete „not so far“…
Ab diesem Punkt sind es noch 1 1/2 Stunden. 900 Höhenmeter haben wir zurückgelegt, es sind noch 300.
Allerdings durch Sand! 2 Schritte vor, einen Schritt zurückrutschen. Unser Guide sagt, jetzt wird es nochmal richtig hart! Ich kann nicht mehr weiter und so suchen wir uns eine möglichst gemütliche Ecke zwischen dem Geröll.

Und was soll ich sagen? Der Sonnenaufgang ist dort genauso schön. Dominik hätte es wahrscheinlich noch geschafft, wollte aber lieber mit mir zusammen den Sonnenaufgang schauen.
Wir fragen unseren Guide, auf welcher Höhe wir sind.
3400 Meter!
Das bedeutet, dass wir (in reiner Gehzeit) knapp 2300 HÖHENmeter in 7 Stunden zurückgelegt haben!
Ich bin stolz! Geh ich doch zu Hause nur 3mal vor dem Sommer unmotiviert joggen…

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

3.400m

3.400m

Der Kratersee von oben! Der kleine Vulkan ist noch aktiv.

Der Kratersee von oben! Der kleine Vulkan ist noch aktiv.

Eigentlich soll der Trip noch weiter gehen:
Nach dem Abstieg zum Zeltlager und einem leckeren Frühstück ist eigentlich geplant, runter zum Kratersee zu gehen, in den heißen Quellen zu baden und dann auf der anderen Seite wieder hochzu“gehen“, dort eine weitere Nacht zu verbringen um dann an Tag 3 einen 7-stündigen Abstieg zu vollführen.
I sagt uns, dass der Aufstieg auf der anderen Seite noch härter wird als der Aufstieg am ersten Tag und dass es ab einem bestimmten Punkt eben kein Zurück gibt. Reine Gehzeit wäre an Tag 2 (inklusive dem Gipfel am frühen Morgen) zwischen 9 und 11 Stunden.
DEFINITIV nicht machbar für jemanden, der diese Sportart (denn das ist es: kein Wandern, sondern Bergsteigen) ansonsten nicht macht! Wir kommen aus dem Rheinland. Die einzige Steigunge die wir bei uns im nahen Umfeld haben, ist die Brücke, die auf die andere Rheinseite führt…

Wir brechen also ab und beginnen also am 2. Tag schon mit dem Abstieg. 5 1/2 Stunden. Und wenn irgendwer denkt, dass der Abstieg ja viel einfacher und entspannter ist… auch diese Hoffnung zerstöre ich direkt. Der Abstieg ist unfassbar hart: die Beinmuskulatur beginnt schon nach kurzer Zeit zu zittern, die Knie fangen an weh zu tun und die Zehen haben sich bereits auf der Hälfte der Strecke ins Jenseits verabschiedet. Ich glaube, meine Füße werden mir das niemals verzeihen.

Tipp: Überall steht, dass hier auch mit Turnschuhen hoch könnt. Könnt ihr auch, aber wir würden nächstes Mal mit Wanderschuhen gehen. Zum einen für den Halt und zum anderen, weil sie über die Knöchel gehen und man somit nicht die ganze Zeit Steinchen in den Schuhen hat.

Der Rückweg zieht sich. Gefühlt sind wir im Land der 1000 Hügel. Jedes Mal denken wir, dass nach dem Hügel das Ende sein muss und ungefähr 15 mal ist das leider nicht der Fall. Und wieder der altbekannte Dialog:
„I, how far?“
„A little bit far“
Verdammt…

L_Lombok_Rinjani (132)

Irgendwann kommen wir dann an: völlig erschöpft, dreckig und erschöpft und dreckig. Hatte ich schon erwähnt, dass wir völlig dreckig und erschöpft waren? (Hier ist es übrigens fantastisch am selben Tag auf die Gilis zu fahren, sich beim Einchecken für seine Optik (und vermutlich auch seinen Geruch) zu entschuldigen und einem nur völlig entspannt entgegnet wird „You came from Rinjani, right?“)

L_Lombok_Rinjani (134)

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Ich sag dir eins: wer als Ohrwurm unter der Dusche „All you need is love“ hat, hat eine Dusche noch nie so sehr genossen 😉

Würde ich es wieder machen? In naher Zukunft wohl eher nicht!
Empfehle ich dir, es zu machen? Definitiv! Die Aussicht und das Gefühl dort oben ist einfach der Wahnsinn und entschädigt einen für die Anstrengungen!

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7 Gedanken zu “Go tell it on the mountain…wenn du dazu noch den Atem hast (Teil 2)

  1. Kann ich absolut nachvollziehen, dass ihr nicht ganz oben wart. sind „nur“ bis zum kraterrand gegangen und am nächsten tag wieder runter. ich fand runter schlimmer als rauf und ich war froh, dass wir nicht versucht haben ganz auf den gipfel zu gehen. 2000 hm in 4 stunden runter war etwas zu viel für unsere knie. trotzallem war es unglaublichich, würds sofor wieder machen.

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