Wie schwierig „einfach“ sein kann

Du kennst das sicher: häufig liest man, dass man einfach sein Leben leben soll. Einfach das machen soll, wonach einem ist, einfach losziehen soll, einfach mal nicht zögern soll…

Diese Liste lässt sich wohl noch eine Weile fortsetzen.
Ich hab das auch häufig gelesen und eigentlich ist es ja auch richtig…wenn da nicht dieses „schwierig“ wäre!

Ja, ich will auch die Welt sehen! Ich will mich auch unabhängig und frei fühlen und alles was dazu gehört…
Aber auf der anderen Seite scheint ein kleiner Spießer in mir zu Schlummern:
Wenn du wirklich ein paar Monate oder länger reisen möchtest, was ist mit der Wohnung in der du wirklich gerne wohnst?
Was ist mit deinem Job? Findest du danach was? (Möchtest du das überhaupt?) Könntest du ohne die Sicherheit einen Job zu haben, überhaupt losziehen?
Was ist mit deinem Partner? Würde er überhaupt mitkommen?
Was ist mit deinen Freunden und deiner Familie?
Und woher sollst du eigentlich das ganze Geld nehmen?
Rundreise oder Weltreise und viele Dinge, die es einem nicht gerade einfach machen, sich DAFÜR zu entscheiden.

Irgendwie ist dieses „einfach machen“ ziemlich schwierig!

Was kann also helfen?

Ich glaube wirklich einfach ist es nie. Es ist nur irgendwann einfacher!
Ich habe angefangen, bewusst über die Dinge nachzudenken und auch teilweise den „Teufel an die Wand zu malen“.

Hier einige Beispiele mit Fragen, Teufeln und Antworten die ich mir gestellt, gemalt oder gegeben habe, als ich mich für eine Auszeit entschieden habe:

Die Wohnung:
Ich wohne wirklich gerne in unserer Wohnung: tolle Lage, großer Balkon, nette Vermieter!Und auch unsere Möbel haben wir mit viel Liebe ausgesucht und gekauft.
Frage 1: Was wird aus den Möbeln?
Antwort: Die Lösung wäre einfacher als gedacht: die Familie meines Freundes bietet genügend Möglichkeiten, den Großteil der Möbel zu lagern. (Ich persönlich finde es sinnvoll, dass man nicht alles verkauft, denn sonst wird es teuer, wenn man wiederkommt). Somit musste ich hier gar nicht den Teufel ins Spiel kommen lassen.
Jenachdem wie lange die Reise sein soll, kann man die Wohnung auch halten. Auch das ist eine Option für uns. Gegebenenfalls kann man mit dem Vermieter sprechen, dass in der Zeit zumindest die Nebenkosten wegfallen.
Mit Fragen kommt man häufig weiter 🙂

Der Job:
Sicher ein Punkt, der bei vielen die Einfachheit sehr schwierig macht.
Frage 1: Liebe ich diesen Job mehr als den Wunsch die Welt zu sehen?
Antwort: Ich habe meinen Entschluss gefasst! 😉 Was ist mit dir?
Hier ist das Wichtigste, tief in sich hinein zu hören und nur die eigene Meinung gelten zu lassen. Denn es ist dein Job, kein anderer geht da morgens für dich hin!
Übrigens: Immer mehr Unternehmen bieten Sabbaticals, bzw. Auszeiten an.

Frage 2: Was ist, wenn ich wieder komme? Habe ich dann noch einen/ meinen Job
Teufel an der Wand: ich habe keinen Job, weil es zum Beispiel nicht möglich ist ein Sabbatical zu nehmen oder ich (falls sowieso ein Jobwechsel gewünscht war) habe noch keinen neuen Job gefunden.
Da ist er: der Worst Case! Du kommst zurück und hast keinen Job. Hier kann ich dir nur sagen, dass das ggf. im Budget berücksichtigt werden sollte.
Aber auch hier: Fragen kostet nichts: frag‘, ob bei euch generell ein Sabbatical möglich ist! Keiner wird auf dich zukommen und sagen“ Hey! Ich hab das Gefühl, du willst eine Auszeit! Kein Problem, nimm‘ dir ein oder zwei Jahre!“
Und ja…wahrscheinlich wirst du auch an mehrere Türen anklopfen müssen, aber es wird sich lohnen, da bin ich mir sicher 🙂

Der Partner:
Frage 1: Kommt mein Partner mit?
Teufel an der Wand: Nein! Er hat kein Interesse. Ihm ist Karriere wichtiger. (und hier ein ganz wichtiger Denkanstoss: Keiner ist berechtigt zu beurteilen, was besser oder schlechter ist! Das ist eine ganz persönliche Entscheidung! Wenn dein Partner Karriere wichtiger findet: verurteile ihn nicht dafür. Habe lieber eine Lösung parat, mit der ihr beide wirklich (!!!) leben könnt)
Antwort: Sprechenden Menschen kann geholfen werden. Einfach fragen. Ich habe meinen Freund gefragt und habe ihm während des Gesprächs deutlich gemacht, dass es kein Hirngespinst ist, sondern dass ich es ernst meine.
Und siehe da: er will mit! Natürlich hat er auch nochmal Bedingungen daran geknüpft, aber eher für sich als für uns 🙂 Sollte es bei ihm aus beruflichen Gründen nicht passen, wäre er sogar bereit, mich alleine ziehen zu lassen. Einen größeren Vertrauensbeweis gibt es wohl nicht. Er weiß, wie wichtig mir das ist und dafür liebe ich ihn sehr 🙂

Ich könnte dieses Spielchen noch eine Weile weiterschreiben. Aber ich denke dir ist klar geworden, worauf ich hinaus will: viele Dinge erscheinen nur im ersten Moment sehr schwierig. Häufig werden sie aber einfacher, wenn man sich ernsthaft mit ihnen auseinandersetzt.
Ich will dir nicht sagen „Mach es einfach“! Weil ich eben weiß, dass es nicht einfach ist! Besser ist es vielleicht zu sagen „Schätz‘ es ab, bevor du es bewertest“.
Manchmal ist einfach schwierig! Aber manchmal machen wir uns Einfaches auch schwieriger als es muss 😉

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